Fleisch muss auf den Tisch
Ja es stimmt. Inzwischen gibt es sehr viele Länder auf dieser Welt die sich auf vegetarische bzw. vegane Ernährung von Touristen eingestellt haben. Russland gehört definitiv NICHT dazu.
Außer vielleicht in den wenigen Großstädten, wie zum Beispiel Moskau und St. Petersburg. Für die russische Landbevölkerung hingegen gehört Fleisch zur Grundnahrung dazu und ist vom Speiseplan keinesfalls wegzudenken.
Nun war ich ja selbst in Begleitung einer Vegetarierin, nämlich meiner Freundin Sarah im Land unterwegs und habe Ihr Leid hautnah mitbekommen. Glücklicherweise ist Fisch in Ausnahmefällen für Sarah kein Problem.
Bei unserer Wanderung über das Eis sind wir meistens bei einer Gastfamilie untergebracht. Der Hunger nach so einem langen Tag ist groß und nach dem Besuch der Banja sitzen wir alle gemeinsam am Tisch. Die russischen Babuschkas geben sich die allergrößte Mühe für Ihre Gäste. Der Tisch ist zum Bersten voll mit Essen. Das reicht von selbst eingelegten Tomaten, Gurken und Pilzen bis hin zu Fisch (am Baikalsee besonders gerne den endemische Omul), Kartoffeln oder Kartoffelpüree, Frikadellen (wahlweise aus Fisch oder Fleisch), Pfannenkuchen (Blien), mit Milchmädchen und Brot. Dazu gibt es Tee. Wenn man bereits glaubt es passt absolut nichts mehr auf den Tisch kommt immer noch ein kleines Tellerchen dazu.

Dima unser Guide ist stets bemüht uns alle Wünsche zu erfüllen. Er fragt daher auch an diesem Abend unsere Gastgeberin ob es denn möglich wäre vielleicht eine warme Mahlzeit OHNE Fleisch für unsere Sarah zu arrangieren. „OHNE FLEISCH???“ Auch mit unseren rein rudimentären Kenntnissen der russischen Sprache können wir dem Gespräch relativ gut folgen. Sie zeigt auf Sarah, (wirklich eine sehr zierliche Person) und gibt Dima zu verstehen, dass an das Mädchen doch was dran muss, wenn Sie den Winter hier in Sibirien überstehen will. Nun ja pflichtet Dima bei. Es müsse halt irgendwie ohne Fleisch gehen. Was folgt ist ein ernsthaft fassungsloses Kopfschütteln der alten Dame. Dima erklärt Sie verstünde zwar nicht wie so etwas möglich sei. Aber da Sie für uns Nudeln und Hühnerfleisch vorbereitet hätte, wäre das ja kein Problem. Damit ist klar, für Sarah gibt es heute Nudeln mit Gemüse. Wunderbar.
Die Babuschka verschwindet immer noch kopfschüttelnd und murrend in der Küche. Wir bereiten uns schon mal mit einer Flasche Wodka am Tisch auf das Abendessen vor. Nach einer halben Stunde und einer bereits leeren Wodkaflasche kommt das Essen auf den Tisch. Wir freuen uns, klatschen für die Dame in die Hände und stürzen uns wie ausgehungert darauf. Nach zwei Bissen jedoch macht sich bei Sarah große Enttäuschung breit. Sie schiebt mir Ihren Teller zu und ist dabei den Tränen nahe. Ich verstehe zuerst nicht aber dann wird mir klar, unsere Babuschka hat zwar verstanden KEIN FLEISCH, hat aber leider Sarahs Nudelteller mit einer großzügigen Portion Bratensoße aus Hühnerfleisch bedeckt. Sie tut mir leid. Mir bleibt allerdings nichts anderes übrig als Ihr den großen Teller mit Erbsen zu reichen.